Warten│Warten/ Taigué Ahmed und Sarah Israel

Eine Workshop-Reihe mit minderjährigen Geflüchteten der Berufsschule zur Berufsintegration und Tanz, Theater & Musik

Im Rahmen des Programms tanz + theater machen stark des Bundesverbands Freie Darstellende Künste e.V.

Warten kann die Zeit sein, die es braucht, um seine Papiere zu bekommen,
kann die Zeit sein, die es braucht, um eine Sprache zu erlernen,
die Zeit, die es braucht, um mit seinem neuen Umfeld in Kontakt zu treten,
die Zeit, die es braucht, bis die Nacht einbricht,
die Zeit, die es braucht bis zum Sonnenaufgang,
die Zeit, die es braucht, um zu verstehen, dass man angekommen ist,
die Zeit, die es braucht, damit Herz und Seele dem Körper folgen können.
Taigué Ahmed

Über sieben Wochen erarbeiten Taigué Ahmed und sein künstlerisches Team, bestehend aus Cheikh Bangoura (Percussion), Benno Heisel (Musik), Angelika Krautzberger (Szenisches Spiel) und Sarah Israel (Dramaturgie und Text) mit 20 SchülerInnen der Berufsschule zur Berufsintegration in Tanz-, Theater- und Musikworkshops ein Stück, das sich mit dem Thema „Warten“ auseinandersetzt.

Die zweimonatige Workshop-Reihe Warten│Warten lädt 20 SchülerInnen der BOKI ein, unter der künstlerischen Leitung des tschadischen Tänzers und Choreographen Taigué Ahmed ein Tanz, Theater und Musik-Projekt zu erarbeiten. Dieses wird in der BOKI sowie im Theater HochX aufgeführt. Neben der Sensibilisierung für künstlerische Ausdrucksformen, fragt Warten│Warten nach kulturell-spezifischen Gesten, Tänzen, Liedern, Geschichten und Lebensverständnissen, die die TeilnehmerInnen aus ihren Heimatländern mitbringen. Dieser individuelle Reichtum wird in der Gruppe geteilt und über die Dauer der Workshops durch das Erlernen von Tänzen, das Erarbeiten von Texten und Szenen, das Komponieren und Einüben von Liedern erweitert. Nach und nach entsteht eine Präsentation, mit der sich die TeilnehmerInnen identifizieren können.
Damit die Präsentation nicht nur inhaltlich und pädagogisch, sondern auch künstlerisch überzeugt, arbeitet Taigué Ahmed mit dem Musiker Benno Heisel, der Schauspielerin Angelika Krautzberger, dem Percussionisten Cheikh Bangoura und der Dramaturgin Sarah Israel zusammen. Das künstlerische Team stellt seine Arbeit unter die Thematik Warten, um hierzu mit den SchülerInnen zu arbeiten.
Warten ist eine Tätigkeit, die ein jeder kennt, insbesondere aber wohl jene Menschen, die sich auf die Flucht aus ihrem Heimatland begeben haben, um in Europa/ Deutschland anzukommen. Warte ist passiv und aktiv. Es ist eine Aktivität die Wildfremde zusammenführt oder sie auf engstem Raum voneinander trennt. Es ist ein Zustand, der einem den letzten Nerv raubt, aggressiv und hilflos macht. Warten kann ein Moment der angenehmen Leere sein, in der Phantasien und Erinnerungen ihren Platz finden. In Deutschland scheint Warten etwas Schlechtes und Sinnloses geworden zu sein, in anderen Kulturen ist es eine Kunst, eine Form das Leben zu verstehen.
Am Ende der Workshop-Reihe steht ein heterogenes Ensemble auf der Bühne, das intensiv Zeit miteinander verbracht hat, um etwas zu präsentieren, dass ebenso von ihnen wie anderen (jungen) Menschen erzählt, die in Deutschland angekommen sind und noch darauf warten, dass neben dem Körper auch Herz und Seele in die neue Heimat reisen.

Die Arbeit von Taigué Ahmed und Sarah Israel an der Berufsschule zur Berufsintegration geht mit dem Projekt Warten│Warten in das dritte Jahr. Diese Kooperation wäre ohne das leidenschaftliche Engagement der Lehrerin Eva Gahl nicht möglich. Sie koordiniert das Projekt an der Schule und kämpft für kulturelle Aktivitäten und gegen die ungerechte Behandlung von Geflüchteten in unserer Gesellschaft.

Künstlerische Leitung:  Taigué Ahmed & Sarah Israel
Anleitung Tanz:  Taigué Ahmed
Percussion: Cheikh Bangoura
Anleitung Szenisches Spiel:│Angelika Krautzberger
Anleitung Musik, Komposition: Benno Heisel
Anleitung Text, Dramaturgie: Sarah Israel
Künstlerische Produktionsleitung: Sabine Klötzer
Auf der Bühne: 20 SchülerInnen der Städt. Berufsschule zur Berufsintegration

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